Was ist eine Straße?
Wir werden manchmal gefragt, ob unsere Plots "alle Straßen" einer bestimmten Stadt abbilden, und die Antwort auf diese Frage ist überraschend kompliziert. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Definition dessen, was überhaupt eine Straße ist, von Land zu Land und von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfällt.
Vorab: Wir benutzen für unsere Plots Rohdaten von OpenStreetMap, die wir mit eigener Software aufbereiten und gestalten. OpenStreetMap ist eine Art Wikipedia für Landkarten: Alle Daten werden ohne kommerzielles Intersse von Freiwilligen erhoben und gepflegt, sind aber in den meisten Gegenden der Welt ebenbürtig mit Karten privater Anbieter. OpenStreetMap hat ein ausgeklügeltes Klassifizierungssystem für praktisch alles, was irgendwo auf einer Landkarte seinen Platz finden kann. Je nach Stadt filtern wir diese Daten unter anderen Gesichtspunkten – immer mit der Vorgabe, dass eine Karte entsteht, die so vollständig wie möglich und gleichzeitig schön anzuschauen ist.
Aber warum nur "so vollständig wie möglich"?
Für die meisten Menschen ist eine Straße ein befestigter Weg, der befahren werden kann und im weitesten Sinne "Gemeingut" ist: Das Stück Asphalt vor dem Einkaufszentrum ist eine Straße, der Weg über den Parkplatz zur Lieferrampe nicht. Klingt nach einer brauchbaren, logischen Beschreibung von "Straße" – fällt aber in sich zusammen, wenn man zum Beispiel Venedig abbilden möchte, das auf den Wegen seiner historischen Altstadt – die hier zwischen Festland und Landzunge genau in der Mitte fehlt – gar keine Autos zulässt:

Man muss gar nicht zu städtebaulichen Ausnahmen wie Venedig greifen – selbst einer gefühlt viel normalere Stadt wie Köln fehlen mit dieser Definition unter anderem die Hohe Straße und die Schildergasse: Zwei der ältesten Straßen der Stadt – auf römischem Grundriss gewachsen – aber seit Jahrzehnten Fußgängerzonen.

Okay, also ergänzen wir Fußgängerzonen! Die kann man umgangssprachlich definieren als befestigten Weg, der für Fußgänger reserviert ist, prinzipiell aber auch mit dem Auto befahren werden kann – zum Beispiel vom Lieferverkehr.
Doch wenn wir mit unserer neuen Definition noch mal auf Köln schauen, fällt auf: Die Karte sieht plötzlich an vielen Stellen sehr unruhig aus.

Jetzt merken wir: Die klassischen Fußgängerzonen, die wir im Kopf haben, sind "Einkaufsstraßen". Das ist aber kartographisch gesehen keine gängige Kategorie – und selbst unsere eigene Definition von gerade eben greift viel weiter. In Köln gibt es allein um den Dom herum eine Vielzahl von "Fußgängerzonen", die wir im Alltag nicht als Straße wahrnehmen, aber bei genauerer Betrachtung gar nicht anders definieren können.

Und wenn wir nur "offizielle" Wege auswählen, also: Straßen mit Namen?
Auch so ein Filter scheitert, denn viele der kleinteiligen Linien, die wir jetzt auf die Karte geworfen haben, entsprechen offiziell benannten Straßen und Plätzen: das zackige Dreieck nördlich der Philharmonie ist zum Beispiel der Heinrich-Böll-Platz.
Spätestens hier wird einem bewusst: Die richtige Antwort auf die Frage, welche Straßen wir zeichnen sollten, kann immer nur eine Abwägung sein. Denn einerseits sind unsere Plots mit mechanischen Hilfsmitteln hergestellte Werke, deren mathematische Schlichtheit eine Präzision und Vollständigkeit verspricht, der wir gerecht werden wollen. Sie sind anderersetis aber vor allem auch künstlerische Interpretationen der gebauten Realität, die Raum lassen müssen für ästhetisch begründete Abweichungen von dieser. Sie sind Kunst und Kunsthandwerk.
Die Metropolen in unseren Plots sind in der Regel zu groß, um jede Straße einzeln zu prüfen. Unser Ausgangspunkt ist deshalb immer: Wir zeichen jede Straße, die mit dem Auto befahrbar ist und zum öffentlichen Straßennetz gehört. Wo möglich oder notwendig, ergänzen wir Fußwege. Entweder manuell, wenn es um einzelne, wichtige Straßen geht wie in Köln. Oder in unserer Datenabfrage, wenn wir Sonderfälle wie Venedig zeichnen.
Falls du dich für einen unserer Plots interessierst, dir aber eine bestimmte Straße fehlt, sprich uns einfach an!