Was ist ein Stiftplotter?
In einer Welt, die von flüchtigen Pixeln und blitzschnellem Digitaldruck dominiert wird, wirkt die Arbeit mit einem Stiftplotter fast wie eine Zeitreise – zurück in eine langsamere, analogere Welt. Doch wer einmal dabei zugesehen hat, wie ein mechanischer Arm mit geschmeidiger Eleganz einen Tuschestift über Papier führt, der versteht schnell: Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um die Verbindung zweier Welten – die haptische, mechanische Qualität feinster Tuschestifte trifft auf die Präzision moderner, digitaler Steuerungstechnik.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Druckverfahren, die ein Bild ähnlich wie ein Monitor aus tausenden winzigen Punkten zusammensetzen, arbeitet ein Stiftplotter vektorbasiert – oder umgangssprachlich: mit Linien und Kurven. Genau wie ein Mensch, der etwas zeichnen möchte, hält auch der Plotter einen Stift, setzt ihn auf dem Papier ab – und fährt ihn über das Blatt. Nach und nach entsteht so eine Zeichnung – nicht von oben nach unten, wie im Digitaldruck, sondern kreuz und quer, Linie für Linie.
Die goldene Ära der Stiftplotter
© Florian Schäffer
Erst als Anfang der 1990er Jahre Tintenstrahl- und Laserdrucker immer besser und alltagstauglicher werden, findet die Ära der Büroplotter ein jähes Ende. Sie sind zu langsam und wartungsanfällig, um mit der modernen Konkurrenz mitzuhalten.
Die Renaissance
Doch es ist genau diese Langsamkeit, die 20 Jahre später dem Stiftplotter zur Renaissance verhilft. Um 2010 herum entdeckt eine kleine Zahl von Künstlern und Enthusiasten die Technik wieder. Vor allem im Bereich der Algorithmischen Kunst – Zeichnungen und Bilder, die von Computer-Code generiert werden – ist der Stiftplotter seitdem eine feste Größe. Und auch technisch hat er gewaltig aufgeholt: moderne Stiftplotter basieren meist auf den gleichen Bauteilen wie CNC-Fräsen, mit denen zum Beispiel iPhone-Gehäuse hergestellt werden – nur halt mit Stift statt mit scharfkantigem Fräskopf – und sind deshalb extrem präzise.Diese digitale Genauigkeit im Mikrometerbereich verbindet ein Stiftplotter mit einem der ältesten mechanischen Verfahren der Menschheitsgeschichte: dem Schreiben auf Papier. Und bringt so eine ganz sanfte Form mechanischer Unruhe in den Prozess, die dafür sorgt, dass ein Stiftplot eben keine auf Knopfdruck entstandene Kopie von der Stange ist – sondern ein über Stunden gewachsenes Unikat.